Schufa: verpasste Chance

29.01.2014 - 18:15
Vertrauen durch Transparenz – leider hat das BGH diese Chance vertan und die Klage einer 54jährigen Dame abgewiesen. Sie wollte grundsätzlich geklärt haben, wie sich ihr Schufa-Wert zusammensetzt.

Die Schufa bestimmt entscheidend über unser persönliches Renommee in der Geschäftswelt und damit über die persönliche Geschäftsfähigkeit. Der Schufa-Wert beeinflusst die Kosten für Finanzierungen und Versicherungen, die Gewährung von Leasinganträgen und Ratenzahlungen, das Zustandekommen von Verträgen und geschäftlichen Vereinbarungen. Ein Autohaus hatte der Klägerin – aufgrund des Schufa-Wertes – die Finanzierung verweigert. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass die Auskunft falsch war. Vor Gericht wollte die Klägerin nun geklärt haben, wie sich ihr Schufa-Wert errechnet und wie verbindliche Aussagen zu ihrer Bonität und Kreditwürdigkeit zustande kommen.

Die Richter haben dem Anliegen der Schufa stattgegeben und verkündet, dass die Schufa die Formeln für ihr Scoring nicht veröffentlichen müssen. Soweit so gut. Aber wieso dürfen wir nicht erfahren, aus welchen Daten genau sich unser Scoring zusammensetzt? Die Richter haben die Chance verpasst, einmal grundsätzlich und abschließend zu klären, welche Daten in den Schufa-Score einfließen.

So heißt es, dass häufige Umzüge den Score negativ beeinflussen – und das in einer Welt, in der von jedem höchste Mobilität und Flexibilität abverlangt wird. Die Kündigung eines Kontos soll, so heißt es, den Score ebenfalls negativ beeinflussen. Das heißt, man sollte einem Kreditinstitut, mit dem man sehr unzufrieden war, bis ans Lebensende treu bleiben?

Gründern wird immer wieder der Rat gegeben, bei der Gründerfinanzierung möglichst viele Banken anzusprechen. Dieses Engagement kann sich als abträglich erweisen, wenn alle kontaktierten Banken die Kreditwürdigkeit des Existenzgründers über die SCHUFA abfragen. Denn viele Abfragen mindern die Bonität. Und falls eine Bank den Businessplan des Existenzgründers ablehnt, könnte sich das ebenfalls negativ für die Kreditwürdigkeit erweisen.

Straft die Schufa dynamische, mobile, unternehmerisch aktive Menschen ab? Mehr Transparenz hätte dem Vertrauen in die Schufa-Auskunft bestimmt gut getan und zum Verständnis für die Anforderungen von Finanzierungspartnern bei Unternehmensgründungen beigetragen.