Junge Gründer haben einen unschlagbaren Vorteil

03.07.2014 - 10:45
„Wie hoch ist der Anteil der ganz jungen Gründer in Deutschland“, hat uns die Redaktion der Wirtschaftswoche gefragt – Anlass für diesen Artikel. Der Anteil ganz junger Existenzgründer ist in Deutschland eher gering. Etwa 14 Prozent aller deutschen Gründer und Gründerinnen sind bis 24 Jahre alt,  inkl. Studenten. Die meisten Gründer sind in der Altersklasse 25 bis 45 Jahre.

Angesichts der zunehmenden Erwerbstätigkeit im Alter, des demografischen Wandels und des wachsenden Interesses von Personen in der zweiten Lebenshälfte an einer Gründung prognostizieren Forschungsinstitute, dass „mit einer weiteren Verschiebung der Gründungsaktivitäten zugunsten der Menschen ab dem mittleren Alter (von 45 bis 55 Jahren) zu rechnen“ ist (Kohn und Spengler, 2008). Selbst im Hightech-Bereich wird der Mythos vom „jungen Gründer“ nicht von der Realität bestätigt (Metzger et al., 2010). Der durchschnittliche Hightech-Gründer (ohne Informations- und Telekommunikationsbranche, ITK-Sektor) ist aktuell etwa 45 Jahre alt (Daten aus dem Jahr 2011). 1995 war er noch 37,2 Jahre jung. Diese durchschnittliche Alterserhöhung ist auch auf weitere Gründungsbereiche übertragbar.

Und international – auch da sehen die Deutschen eher alt aus. Laut GEM 2012, dem Global Entrepreneurship Monitor, belegt Deutschland bei der TEA-Quote (Total Entrepreneurial Activity) im internationalen Vergleich Rang 20 von 24 auf der Liste der innovationsbasierten Volkswirtschaften – trotz einer sehr guten Förderinfrastruktur für Gründungen (Sternberg et al., 2013).

Was können junge Gründer tun?

Junge Gründer haben einen unschlagbaren Vorteil. Sie gehen unbekümmert an die Sache ran. Sie agieren schnell und beherrschen meist die Klaviatur der Social Networks. Allerdings haben diese sehr jungen Gründer beim Aufbau ihres Unternehmens mit zwei Schwächen zu kämpfen: mangelndes Know-How sowie fehlende Berufserfahrung und Branchenkenntnisse.
 
Ein erster Rat an junge Gründer: Tauschen Sie sich mit Gleichgesinnten und erfahrenen Jungunternehmern aus. Viele junge Existenzgründer haben uns berichtet, dass diese Gespräche wertvolle Impulse und Anregungen gegeben haben.

Unser zweiter Rat an junge Gründer: Lassen Sie sich während und nach der Gründung von einem erfahrenen Berater begleiten. Entscheidend ist, dass Sie Ihrem Berater vertrauen. Üblicherweise sind Gründungsberatungen, gerade bei jungen Gründern vorbelastet. Risikofaktoren und Schwächen stehen im Vordergrund. Lassen Sie sich davon nicht abbringen.

Der Deutsche Gründerverband hat mit dem smartgründen®-Prozess ein Verfahren entwickelt, bei dem die Bewertung eines Geschäftskonzepts nicht wie üblich die Risikofaktoren hervorhebt, sondern bei dem gemeinsam mit den Gründern in vertrauensvoller Zusammenarbeit die Erfolgsfaktoren herausgearbeitet und bewertet werden. Gerade bei jungen Gründern liegen die Erfolgsfaktoren auf der Hand. Denn junge Gründer haben viel Energie und sind unabhängig von familiären oder finanziellen Verpflichtungen. Im standardisierten Beratungsprozess des Deutschen Gründerverbandes wird das Geschäftskonzept diskutiert und hinsichtlich häufiger Fehleinschätzungen, denen junge Existenzgründer und Selbstständige unterliegen, optimiert: Zielgruppendefinition, Kundenorientierung, Wettbewerbsanalyse, Marketing- und Vertriebskonzept sowie Entwicklung eines Finanzplans sind nur einige Beispiele.

Fazit

Junge Menschen, die nach dem Abitur gründen, spielen in Deutschland statistisch gesehen, keine bedeutende Rolle. Hier besteht Handlungsbedarf. Die Gesellschaft und die Politik ist aufgefordert, in den Bildungsplänen aller Schularten das Thema Selbstständigkeit und unternehmerisches Denken stärker zu verankern. Schülerinnen und Schüler sollten Methoden und Instrumente der Unternehmensführung kennenlernen und sich mit jungen Unternehmern austauschen.
Alternative Berufswege hat die Redakteurin der Wirtschaftswoche, Kristin Schmidt, ausführlich auf WIWO.de beschrieben.